Achs- und Freilaufkörper-Standards sowie Bremsscheibenmontage – wie misst Du richtig und welche wählst Du?

Inhaltsverzeichnis

dandy bw 31 01 16

Früher war die Frage der Achsstandards deutlich einfacher. Alle Laufräder besaßen eine Bremsfläche für Felgenbremsen, und Rennrad-Freilaufkörper ließen sich in zwei Haupttypen unterteilen: Shimano und Campagnolo. Die Montage erfolgte über Klemmungen, auch bekannt als Schnellspanner bzw. QR (vom englischen „Quick Release“).

Vorderräder passten zu Gabeln mit einer Naben-Einbaubreite von 100 mm. Hintere Rennradlaufräder hatten dagegen eine Einbaubreite von 130 mm (zuvor 125 mm), während hintere Laufräder in MTB- und Crossrädern bei 135 mm lagen. Und damit endeten die komplizierten Standards auch schon.

STECKACHSEN IN FAHRRADNABEN

QR-Schnellspanner, meist auf einem Exzentermechanismus basierend, verschlissen mit der Zeit. Im Streben nach Gewichtsreduktion griffen Rennfahrer zu sehr leichten Klemmungen, etwa aus Titan, was häufig dazu führte, dass sich die Laufräder in den Ausfallenden lösten. Der Einsatz von Steckachsen beseitigte dieses Problem und erhöhte die Steifigkeit des gesamten Systems erheblich. In modernen Rädern dominieren genau diese Steckachsen.

Bei den meisten Rennrädern, Gravel- und Crossrädern:
• 12×100 vorn
• 12×142 hinten

Bei den meisten MTBs:
• 15×110 (Boost) vorn
• 12×148 (Boost) hinten

Eine seltenere Lösung bei Rädern mit Scheibenbremsen sind die zuvor erwähnten QR-Schnellspanner (Quick Release):
• 5×100 (auch 9×100) vorn
• 5×135 (auch 10×135) hinten

HINTERNABE 141×9 (141 BOOST)

Einige Hersteller verwenden am Vorderrad die Maße 5×100, 15×100 oder 15×110 und hinten die seltener anzutreffende Einbaubreite 141×9, auch 141 Boost genannt. In diesem Fall ist der Korpus der Hinternabe identisch mit dem moderner MTB-Boost-Naben – mit dem Unterschied, dass das Laufrad über einen QR-Schnellspanner am Rahmen befestigt wird.

ROAD-BOOST-NABEN 12×110 / 12×148

Der Boost-Standard hat bei Mountainbikes die Steckachsen mit 100 mm vorn und 142 mm hinten verdrängt. Auch bei Gravelrädern und einigen Rennrädern (insbesondere mit Elektroantrieb) trifft man auf Naben mit breiter angeordneten Flanschen. Wir betonen jedoch: Das bedeutet nicht automatisch eine Kompatibilität von MTB-Boost-Naben mit Gravelrädern, die den Road-Boost-Standard verwenden.
Es gibt allerdings bestimmte MTB-Nabenmodelle, die sich konvertieren und an den Rennrad- oder Gravel-Boost-Standard anpassen lassen.

WIE MISST DU DIE ACHSEN AM RAD?

Den Achsstandard kannst Du in der Spezifikation des Rades nachschlagen – beachte jedoch, dass er sich bei verschiedenen Modelljahren desselben Modells ändern kann. Fahrradhersteller geizen mitunter mit Informationen, und die Parameter älterer Modelle sind im Internet oft schwer zu finden. In einem solchen Fall bleibt Dir neben der Möglichkeit, eine Fahrradwerkstatt um die Überprüfung des Achsstandards zu bitten, die eigene Begutachtung „nach Augenmaß“.
Die Bezeichnung jedes Standards besteht aus zwei durch ein „x“ getrennten Werten. Der niedrigere Wert gibt den Innendurchmesser der Nabenachse an, also die Öffnung, durch die die in Gabel oder Rahmen geschraubte Achse verläuft. Der höhere Wert ist die Einbaubreite der Nabe, also der Abstand zwischen den Punkten, an denen die Nabe an Rahmen oder Gabel anliegt.

Formularz - standard osi

FREILAUFKÖRPER-STANDARDS BEI FAHRRADLAUFRÄDERN

Der Freilaufkörper-Standard bestimmt die Kompatibilität mit der Kassette. Die einzelnen Modelle lassen sich auf die folgenden, am häufigsten anzutreffenden Freilaufkörper-Standards montieren:

standard bębenka,Shimano 12s,Mirospline,Microspline Road,standard osi,sztywne osie

• Shimano HG (Kassetten 9/10-fach Rennrad und 11-fach MTB)
• Shimano HG-EV (Kassetten 11/12-fach Rennrad oder 9/10-fach sowie 11-fach MTB mit Distanzring)
• Shimano MicroSpline (12-fach-Kassetten aus den MTB-Gruppen)
• Sram XD (12-fach-Kassetten MTB)
• Sram XDR (12-fach-Kassetten Rennrad oder 12-fach mit Distanzring)
• Campagnolo (Kassetten 9/10/11/12-fach)
• Campagnolo N3W (13-fach-Kassette)

KOMPATIBILITÄT VON KASSETTEN UND FREILAUFKÖRPERN BEI FAHRRADLAUFRÄDERN

• Eine Shimano-11-fach-Rennradkassette ist mit dem Shimano-11-fach-Freilaufkörper (HG-EV) kompatibel.
• Eine Shimano-12-fach-Rennradkassette ist mit dem Shimano-11-fach-Freilaufkörper (HG-EV) kompatibel.
• Eine Sram-12-fach-Kassette Rennrad/Gravel ist mit dem Sram-XDR-Freilaufkörper kompatibel.
• Eine Sram-13-fach-Gravelkassette ist mit dem Sram-XDR-Freilaufkörper kompatibel.
• Eine Shimano-11-fach-MTB-Kassette ist mit dem Shimano-HG-Freilaufkörper (sowie HG-EV + Distanzring) kompatibel.
• Eine Shimano-12-fach-MTB-Kassette ist mit dem Shimano-MicroSpline-Freilaufkörper kompatibel.
• Eine Sram-12-fach-MTB-Kassette ist mit dem Sram-XD-Freilaufkörper (oder XDR + Distanzring) kompatibel.
• Campagnolo-Kassetten 9/10/11/12-fach Rennrad sind mit dem Campagnolo-Freilaufkörper kompatibel.
• Eine Campagnolo-13-fach-Gravelkassette ist mit dem Campagnolo-N3W-Freilaufkörper kompatibel.
• Kassetten, die mit dem Standard Shimano 11-fach HG kompatibel sind, lassen sich nach Montage eines Distanzring auf einen Freilaufkörper im Standard Shimano 11-fach HG-EV montieren.
• Kassetten, die mit dem Standard Sram XD kompatibel sind, lassen sich nach Montage eines Distanzring auf einen Freilaufkörper im Standard Sram XDR montieren.

Es gibt einige Ausnahmen:

• Die 12-fach-Kassetten Sram NX/SX Eagle sowie SunRace sind mit dem Shimano-11-fach-Freilaufkörper im MTB-Standard (HG) kompatibel.
• Die 12-fach-Kassette Sram PG-1231 XPLR ist mit dem Shimano-11-fach-Freilaufkörper (HG-EV) kompatibel.
• Es gibt zudem 11-fach-Kassetten mit einem kleinsten Ritzel von 10 Zähnen, die mit dem Sram-XD-Freilaufkörper kompatibel sind.

In den Dandy-Horse und DT-Swiss-Naben, auf denen wir unsere Rennrad- und Gravellaufräder aufbauen, befinden sich Freilaufkörper im Standard Shimano HG-EV.

MONTAGE DER BREMSSCHEIBEN: CENTERLOCK ODER IS (SECHSLOCH)

Es gibt zwei wesentliche Arten, Bremsscheiben an der Nabe zu befestigen: Centerlock (CL) und International Standard (IS), allgemein als Sechsloch bezeichnet.

Centerlock ist der dominierende Standard bei Rennrädern und Gravelrädern und gewinnt auch im MTB-XC an Verbreitung. Er zeichnet sich durch einfachere Montage und Demontage der Bremsscheiben aus, dazu durch höhere Steifigkeit und bessere Wärmeableitung. Zur Montage von Centerlock-Scheiben werden Verschlussringe verwendet, die in zwei Ausführungen vorkommen: für das Kassetten- oder für das Innenlagerwerkzeug – mit den von uns angebotenen Naben sind beide Ausführungen kompatibel. Eine Ausnahme bilden zum Beispiel Fulcrum-Laufräder, die andere Verschlussringe besitzen, welche nur mit den Naben dieses Herstellers kompatibel sind.

Die IS-Montage trifft man häufiger bei schwereren MTB-Varianten sowie bei preisgünstigen Rennrädern und Gravelrädern an, besonders dann, wenn ein Hersteller dasselbe Nabenmodell in verschiedenen Radmodellen seines Sortiments verbaut. Diese Lösung ist günstiger in der Produktion, aber weniger komfortabel bei Montage und Demontage.

Wechsel des Montagestandards:

Beim Wechsel von einem Laufrad mit Centerlock-Aufnahme auf IS lassen sich Adapter einsetzen, mit denen Du Deine bisher verwendeten IS-Scheiben weiternutzen kannst. Du solltest jedoch abwägen, ob Du dieses Geld statt für Adapter nicht besser in neue Bremsscheiben im Centerlock-Standard investierst (die Adapter von DT Swiss von CL auf IS kosten rund 100 PLN pro Laufrad).
Ein Wechsel auf einen Laufradsatz mit anderem Bremsscheiben-Montagestandard beeinflusst nicht die Kompatibilität mit den Bremssätteln am Rad, kann jedoch eine Justierung der Sättel erfordern.

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Autor
Meister im Laufradbau mit fundierter Expertise in der Konstruktion und Wartung hochwertiger Laufradsätze. Sein Fokus liegt auf dem präzisen Einspeichen und Zentrieren für die Bereiche Road, Gravel, MTB und Track. Durch den handgefertigten Bau tausender Laufräder beherrscht er die Feinheiten der Komponentenabstimmung und Materialtechnik perfekt. Sein Fachwissen umfasst die Physik des Laufrads, Speichenspannungsanalysen sowie die spezifischen Anforderungen an Carbon- und Alufelgen. Mit echter Leidenschaft für den Radsport verfolgt er die neuesten Industrietrends und teilt wertvolle Erkenntnisse, die er in unzähligen Teststunden im Gelände gewonnen hat.

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